Albanien: Gjirokaster – die „Steinstadt“ mit den tausend Stufen

Gjirokaster, Albanien

Albanien: Gjirokaster – die „Steinstadt“ mit den tausend Stufen

Hanglage deluxe: Auf und Ab in Gjirokaster

Gjirokaster ist das kulturelles Zentrum von Südalbanien

Von Gjirokaster schwärmen viele Besucher:innen, das sei die Stadt, der man unbedingt einen Besuch abstatten müsse. Gjirokaster liegt im Landesinneren und man muss vom Meer aus (Ksamil, Saranda) einen Pass überqueren, um dorthin zu gelangen. Von Norden kommend ist die Anreise bequemer: hier kann man dem Tal folgen, ohne über die Berge zu müssen. Trotz allen verkehrstechnischen Mühen lohnt sich die Fahrt und man ist geradezu angetan von der bestechenden Landschaft im Drino-Tal. Verglichen zur Meeresumgebung könnte der Kontrast nicht größer sein, wenn man die Berge und Täler des Umlandes beobachtet.

Fährt man das Tal entlang (von Süden oder Norden her kommend), taucht auf einmal diese Stadt mit der großen Festung auf, wie aus dem Nichts: Gjirokaster! Diese Steinstadt kann auf Anhieb bereits von der Ferne begeistern, wir konnten es kaum erwarten, endlich einen Fuß in die Stadt zu setzen.

Gjirokaster, Albanien
Der venezianische Uhrturm der Festung in Gjirokaster

Unser erster Stopp war auf Höhe der Festung, um diese als erstes in Angriff zu nehmen. Die Parkplätze direkt davor waren natürlich rappelvoll und wir mussten schauen, dass wir das Auto in der Nähe irgendwo abstellen konnten. Direkt über der Festung in Hanglage sind ein paar Gasthäuser und auch eine Handvoll Privathäuser, die Parkplätze vermieten. Dort konnten wir das Auto günstig abstellen und uns auch in einem der Gasthäuser erfrischen. Die Privatpersonen, die einem ihre eigene Einfahrt zur Verfügung stellen, nehmen eine kleine Parkgebühr, dafür „bewachen“ sie das eigene Grundstück und die darauf abgestellten Fahrzeuge mit Adleraugen. In den Gaststätten hat man aufgrund der Lage auf dem Hang eine super Aussicht auf die Festung und das umliegende Tal.

Gjirokaster bietet eine gut erhaltene Festung mit Bezug zur Zeitgeschichte

Die Burg von Gjirokaster beherbergt bereits am großen Durchgang nach dem Eingang Waffen des 20. Jahrhunderts. Hier sind zahlreiche Artillerie-Exponate und einige Panzer ausgestellt. Im Freigelände steht ein Spionage-Flugzeug der US Air Force, welches in der Gegend abgestürzt ist. Auf einer Info-Tafel wird erklärt, wie unterschiedlich die Sichtweisen der Länder in der Zeit des kommunistischen Regimes waren. Während die USA behaupteten, das Flugzeug hätte sich im Nebel in den albanischen Luftraum verirrt, schreiben Zeitungen in Albanien, es handele sich um ein Aufklärungsflugzeug zu Spionagezwecken.

Gjirokaster, Albanien
Auf der Festung kann man ein abgestürztes amerikanisches Spionageflugzeug begutachten

Nachdem die Burg relativ groß ist, dauert der Rundgang einige Zeit. Dabei hat man immer wieder wunderbare Ausblicke auf die Gegend und die zu Füßen liegende Stadt Gjirokaster mit ihren prägenden Gebäuden (Moscheen, Kirchen, Häuser, Bauten). Hier oben gibt es einiges zu sehen: den venezianischen Uhrturm, viele Durchgänge und gut erhaltene Teile der Festung, einen Freiplatz mit schönem Bogen, der für Konzerte genutzt wird und einige Ausstellungsobjekte wie Kanonen.

Direkt unter der Burg befindet sich der Cold War Tunnel

Will man nach dem Besuch der großen Burg nochmal in den Kalten Krieg eintauchen, kann man das direkt unterhalb der Festung machen. Der Bunker mit über 50 Räumen wurde in den 1970er Jahren gebaut, um im Falle eines Angriffs der Bevölkerung (eigentlich ausgewählten Teilen der Bevölkerung) Schutz bieten zu können.

Gjirokaster, Albanien
Am Bazar in Gjirokaster ist immer was los

Altstadt und Basar von Gjirokaster: hier spielt sich das Leben ab

Besucher:innen von Gjirokaster schwärmen nicht nur von der Burg, sondern eigentlich von der netten Altstadt mit dem darinliegenden Basar. Hier spielt sich das brodelnde Leben ab und man wird fast nie alleine auf den Straßen sein. Dort befindet sich direkt im Zentrum das berühmte 6-eckige Haus mit der Kreuzung, ein Foto davon hat man sicher schon zig Male gesehen. Natürlich findet man auch einladende Cafés, Eisdielen, Restaurants und Souvenirläden. Wieder spiegelt sich die Hanglage der Stadt wider: es geht ständig auf Steinpflaster-Straßen auf und ab!

Gjirokaster, Albanien
Ein ständiges Auf und Ab, Höhenunterschiede müssen am laufenden Band bewältigt werden, bieten aber wundervolle Ausblicke

Auch wenn die Straßen hier schön anzuschauen sind, das schön gestaltete Steinpflaster ist, vor allem am Hang, ziemlich rutschig. Wie rutschig es ist, würde sich wohl eher zeigen, wenn es regnet. Dort möchte man sicher nicht in dieser steilen Steinstadt verweilen, obwohl das in manchen Reiseführern als Erlebnis angepriesen wird.

Weiters noch ein Wort der Warnung: wenn man mit dem Auto unterwegs ist und im Steilhang anfahren muss, verlieren die Räder aufgrund der glatten Oberfläche schnell den Halt und drehen durch. Da die Straßen vor allem im Altstadtbereich ziemlich eng sind und überall fast rücksichtslos geparkt wird, hat man mit dem Auto wenig Raum zum Manövrieren.

Außerdem ist es uns so ergangen, dass wir laut Navi aus der Stadt fahren wollten, es aber nicht so kurzfristige Straßenarbeiten gegeben hat. Google Maps hat uns hier im Stich gelassen: wir sind in eine Sackgasse gefahren. Man fährt die normale Straße entlang, plötzlich türmen sich die Pflastersteine und die Straße wird unbefahrbar. Nachdem man einige Meter im Rückwärtsgang zurücklegen muss, um dann umständlich auf engstem Raum umdrehen zu können, ärgert man sich natürlich über die fehlenden Hinweisschilder, da die Baustelle sicher schon seit Monaten besteht. Auch nach uns folgten weitere Autofahrer der Straße und ich möchte nicht wissen, wie viele Kraftfahrzeuge an dieser Stelle pro Tag kehrt machen müssen.

Zekate-Haus und Skenduli-Haus: ursprüngliches, traditionelles Albanien

Da die Stadt als kulturelles Zentrum gilt, gibt es hier natürlich authentische Häuser der Oberschicht: die bekannten Häuser „Zekate“ und „Skenduli„. Diese kann man besichtigen und im Falle vom Zekate-Haus auch die Aussicht genießen, weil es ganz am Hügel liegt. Inliegend ist auch das Ethnografische Museum beheimatet. Das Haus wurde vom General Ali Pasha gebaut, der fast überall im Land seine Spuren hinterließ.

Auf Ali-Pasha’s Spuren wandern: ursprünglicher und ungeschönter Teil von Gjirokaster

Ali Pasha ließ nämlich auch eine beeindruckende Brücke in der Gegend bauen. Erkundet man die Gegend oberhalb der Burg, weisen einen Schilder in Richtung „Ali Pasha Bridge„. Im Rahmen einer netten kleinen Wanderung (Spaziergang ist es keiner: während hoher Temperaturen geht es in der prallen Sonne steil bergauf) kommt man durch einen relativ ursprünglichen Teil von Gjirokaster. Hier leben die Menschen noch abseits des Tourismus und man merkt dies auch. Dort sieht man die Menschen arbeiten und ihrem Leben nachgehen, wie es wahrscheinlich schon immer war. Leider sieht man hier auch Müll an jeder Ecke, sogar im ausgetrockneten Bachbett. Man wandert weiter und irgendwann lässt man die Häuser dann hinter sich und es eröffnet sich ein eingeschnittenes Tal in den Bergen. Dort sieht man dann das Objekt der Begierde zum ersten Mal: die „Ali-Pasha-Bridge“. Ein beeindruckender Anblick, die Brücke schmiegt sich schön an die Hügel und befindet sich optisch im Einklang mit den Bergen.

Gjirokaster, Albanien
Die Ali Pasha Brücke diente einmal als Aquädukt, heute gilt sie als Sehenswürdigkeit

Authentische Küche Albaniens: in den Hinterhöfen von Gjirokaster wird man fündig

Am Rückweg von der Ali-Pasha-Brücke spaziert man gemütlich (es geht ab jetzt ja bergab) an wenigen Einkehrmöglichkeiten vorbei. Wir nutzten die Gelegenheit, in „Ali Pasha’s Table“ einzukehren. Ein uriges Restaurant, in dem man sich wie ein Gast der Familie fühlt. Bei unserem Besuch war der Kellner nicht wirklich auf Gäste eingestellt und er musste erst seine Mutter rufen, um festzustellen, welche Gerichte es auf der Karte denn nun wirklich gibt. Da Mama dann vorzüglich kochte und man einen fast unwirklichen Ausblick von der kleinen Terrasse auf die darunterliegende Festung hat, zähle ich diese Einkehrstätte zu Geheimtipps. Wir fühlten uns schon fast privat eingeladen, so nett war unser Besuch dort, nicht zuletzt, weil wir die einzigen Gäste waren.

Gjirokaster, Albanien
Moscheen, Kirchen und traditionelle albanische Häuser sind auf mehreren Ebenen am Hang gebaut
Gjirokaster, Albanien
Die Festung ist sehr gut erhalten und zieht viele Besucher an

Das Umland zählt zum Erlebnis Gjirokasters dazu

Auf der Rückfahrt von Gjirokaster haben wir noch einige Brücken im Drinos-Tal gesehen, das „Field of Bunkers“ angeschaut und einige weitere abgelegene und zentrale Bunker besichtigt. Außerdem haben wir uns für die Fahrt über den Pass entschieden, welche auch ziemlich spannend war. Ein Plus war auch unser Besuch beim „Blue Eye„, welches ebenfalls auf der Passstraße in Richtung Saranda zu finden ist.

Gjirokaster, Albanien
Der venezianische Uhrturm auf der Festung, im Hintergrund der darunterliegende Teil von Gjirokaster

Gjirokaster in Google Maps:

Mein Video von Gjirokaster:

Die Bildergalerie zu unserem Besuch in Gjirokaster:

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