Über den Llogara-Pass von der Adria zum Ionischen Meer
Die Fahrt von Albaniens Mitte in den Süden hat viel zu bieten: Aussichten, schöne Landschaften, Meerblicke
Um von Durres (oder Tirana) in Richtung Süden zu kommen, bietet sich die Schnellstraße über Vlora an. Wer aufmerksam im Reiseführer recherchiert hat und auch als Zweitmeinung Google Maps befragt hat, wird sich – so wie wir – wundern, warum die Reisezeiten so lange sind für verhältnismäßig wenige Kilometer Entfernung. Ja, wir haben es auch nicht glauben können, das scheint doch übertrieben zu sein aufgrund der aktuellen Verkehrslage mit relativ wenig Verkehr? Tja, man vergleicht Distanzen und Reisezeiten mit heimatlichen Gefilden und ist so versucht, „Autobahn“ zu denken.

Erster Denkanreiz: sind albanische Straßen wirklich so schlimm und schlecht vom Belag her, dass man nur ca. 30 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit fahren kann, wir nehmen eh die „Schnellstraße“? Keine Angst, dem ist auf weiten Teilen des Landes nicht so, dennoch kommt man nur schleppend weiter! Vor allem die Küstenstraße an der albanischen Riviera zwischen Dhermi und Saranda schlängelt sich derart dahin, dass die Reise sehr beschwerlich zu sein scheint. Es gibt dauernd Kehren und unübersichtliche Dörfer zu überwinden, der Verkehr und Gegenverkehr hält einen manchmal auf und die Hitze ist trotz der Klimaanlage im Auto deutlich spürbar.
Doch der Reihe nach: Unser erster Stopp nach Start in Durres war in Vlora: beim Amphitheater, welches als größtes Bauwerk dieser Art am Balkan gilt und eher zufällig in den 1960er Jahren bei Gartenarbeiten entdeckt wurde. Unser Eindruck: Schön, gesehen zu haben, aber bei hohen Temperaturen durch die Stadt zu marschieren (Parkplatznot) lohnt sich nicht wirklich dafür. Unsere Meinung: Dieser Ort wirkt zu verwaist, um wirklich was darzustellen. Also kurzer Fotostopp – und weiter Richtung Süden.
Bis Vlora gibt es übrigens wirklich eine Schnellstraße bzw. eine „grüne“ Autobahn. Auch wenn man hier bis 90 km/h fahren darf wundert man sich über die anderen „Verkehrsteilnehmer“. Dass einem jemand mit dem Fahrrad auf dem Pannenstreifen entgegenkommt ist gar nicht so selten. Außerdem gibt es bei den größeren Abzweigungen auch alle paar hundert Meter einen Melonenstand, es gibt gegrillte Maiskolben oder einfach nur einen Stand mit Honig, Raki und Wein. Nicht wundern, wenn vor so einem Verkaufsstand dann die Autos halten (mitten auf der „Schnellstraße“!).
Abwechslungsreiche Landschaften und tolle Ausblicke bis nach Griechenland sind garantiert
Trotz des langen Roadtrips empfiehlt sich die Weiterfahrt über den Llogara-Pass und nicht durch den neu errichteten Straßentunnel. Nur so sind atemberaubende Ausblicke auf die Insel Korfu (Griechenland) und das Ionische Meer rund um Dhermi und Himare möglich. Außerdem hat der Pass den alten Charme – trotz vieler geschlossener Gastbetriebe – nicht eingebüßt. Die Orte zeugen von reger Reisetätigkeit in vergangenen Tagen. Die Straße an sich ist auch gepflegt, zwar teilweise sehr steil (mehr PS des Mietautos wären hier von Vorteil), aber gut befahrbar.

Auf der Passstraße selbst kann es schon vorkommen, dass plötzlich Kühe oder Pferde den Weg versperren. Man kommt an einigen Gastronomiebetrieben vorbei, es sind aber (wahrscheinlich wegen der Umfahrung durch den Tunnel) nicht mehr alle geöffnet.
Am höchsten Punkt lohnt sich ein Stopp, entweder auf einen Kaffee, ein Eis oder gleich ein Frappé. Der Ausblick ist je nach Wetterlage sehr weit (Korfu, Griechisches Festland oder Südalbanien) oder eben nicht ganz klarem Wetter eher begrenzt bis zum Ionischen Meer. Was man immer ausmachen kann, ist die Albanische Riviera, die sich nach der Passstraße nach unten an die Berge anschmiegt.
Die Südrampe lässt das Roadtrip-Herz höher schlagen
Das Gekurve erreicht erst auf der Südrampe nach unten seinen Höhepunkt. Hut ab vor den Straßenerbauern! Mit dem Motorrad wäre das eine tolle Tour, aber mit dem Mietauto? Naja, der Ausblick entschädigt hier vieles.

Llogara-Pass Südrampe – großes Straßenkino
Irgendwann erreicht man auch wieder die Straße, die durch den Tunnel ankommt und folgt der Strecke der Küste entlang. Hier kommt der relativ ermüdende Teil – es ist eine lange, sehr kurvige Fahrt. Man kommt zwar an verschiedenen netten Dörfchen vorbei und fährt auf und ab, mit einigen Höhenmetern, die man irgendwann wieder nach oben oder unten sammelt. Man ist hier schon eine Zeit lang unterwegs, regelmäßige Pausen werden dringend empfohlen! Die Aufmerksamkeit sollte nicht leiden, gibt es doch etliche Kehren, unübersichtliche Kurven und interessante Begegnungen auf der Straße.

Die interessanteste Situation auf der Straße war eindeutig jene in einer Engstelle, die mit einer (der einzigen) Ampel auf der Küstenstraße abgesichert ist. Nachdem die Ampel auf grün sprang, nahmen wir die Engstelle, die in einer unübersichtlichen Kurve ist, in Angriff. Plötzlich kam ein Mercedes entgegen und hupte. Gesten ließen keinen Zweifel daran, dass der Fahrer glaubte, er wäre im Recht. Ein prüfender Blick von uns auf die Gegenampel: eindeutig „rot„! Solche Begegnungen sprechen Bände: in Albanien scheinen Mercedes-Autos immer Vorfahrt zu haben, egal, was die Straßenverkehrsordnung dazu sagt, sie gilt als reine „Empfehlung“. Im Nachhinein können wir über diese Begegnung (es gab natürlich noch mehr solche „Augenöffner“) nur schmunzeln, aber am Anfang machte sich Verwunderung breit.


Porto Palermo – ein magischer Ort mit Ali-Pasha-Festung
Ein weiterer interessanter Ort auf der Strecke ist Porto Palermo – auf der Halbinsel, die direkt in einer Bucht gelegen ist, befindet sich die Ali-Pasha-Festung. Reger Bootsverkehr und viele Badegäste zeugen von der Beliebtheit dieses Ortes. Laut Reiseführer muss man hier manchmal Eintritt bezahlen, um die Festung erkunden zu können, meistens aber nicht. Aufgrund der Hitze haben wir verzichtet, die Festung sieht man am besten von oben – aus der Drohnenperspektive, es gibt einige Videos dazu auf Youtube.

Brände sind allgegenwärtig – nicht beunruhigen lassen
Es gibt immer wieder einige Brände, nicht nur auf der Küstenstraße, sondern auch ins Landesinnere. Am Anfang fühlt man sich noch bedroht, doch die Feuerwehren überwachen die Brände von der Ferne und sehen sich nicht gezwungen, aktiv eingreifen zu müssen.
Irgendwann hat man dann auch die vielen Kehren überwunden und kommt in Saranda an. Hier spielt sich das Kontrastprogramm ab: in Saranda steppt der Bär! Hier geht es wirklich zur Sache partytechnisch. Doch dazu mehr in einem anderen Artikel!

Der Llogara-Pass auf Google Maps:
Hier unser Video vom Roadtrip über den Llogara-Pass und entlang der Albanischen Riviera:
Die Bildergalerie zu Vlora, Llogara-Pass, Porto Palermo und der Albanischen Riviera:












